"Aber dass ich da jetzt irgendwie in die Clicks`n`Cuts-Szene gehören würde, hab ich nie so ganz begriffen": Eine sich selbst spielende Lapsteel-Gitarre oder vielleicht doch noch eine "Jungsfrage" zum Abschluss...

F/M: Vielleicht darf ich zum Abschluss noch eine "Jungsfrage" stellen - Nerdtum, du weißt: "Thomas Meinecke`s Framus Waikiki"(8) ist deine sich selbst spielende Lapsteel-Gitarre?

M: Sehr gut. So hätte ich es jedenfalls gerne. Aber es war auch ein bisschen so. Ich hab die nur so gehalten, wie so ein Baby. Und hab sie dann so geschwenkt, vor meinem Verstärker. Und der Amp hat die ganze Zeit so Störgeräusche von sich gegeben, weil der halt alt ist. Insofern hätte ich auch sagen können: "Thomas Meinecke`s Fender Twin Reverb", weil das ein alter Verstärker ist, der so ein Vibrato drin hat, und das macht dann die ganze Zeit so: SwwwSwwwSwww... Und ich hab keine Noten drauf gespielt, nichts drauf gemacht, nicht manipuliert sozusagen. Sondern einfach gehalten, ein bisschen geschwenkt, und mir gedacht: Ist eine schöne Vorstellung, dass einfach nur... Weil die wollten unbedingt von mir so Tracks und ich fand es eigentlich immer... Also ich hab mich nicht darum beworben, auf diesem "Clicks`n`Cuts"-Sampler - und es gibt noch eine zweite Platte auf Mille Plateaux, wo ich unter dem selben Namen drauf bin - zu sein, sondern die Leute bei Mille Plateaux, vor allem Ekkehard Ehlers, der jetzt übrigens ganz interessante Platten unter eigenem Namen produziert, wollten das. Da werd ich dann auch demnächst einen Text beisteuern, nämlich zu "Ekkehard Ehlers plays Hubert Fichte"(9) . Da wirst du dann auch erschrecken, weil es da dann auch wieder um mein eigenes Leben gehen wird, wo ich dann sagen werde: "Wie ich Hubert Fichte im Bücherschrank meiner Eltern entdeckt habe...". Und Ekkehard Ehlers hat mich eingeladen, weil der irgendwie das Gefühl hatte, ich gehör da dazu. Der kommt auch immer wieder zu FSK-Konzerten. Achim Szepanski hat übrigens auch 1984 oder ´85 zum ersten Mal ein FSK-Konzert in Wiesbaden veranstaltet. Irgendwie gibt es da also auch eine Affinität.
Aber dass ich da jetzt irgendwie in die Clicks`n`Cuts-Szene gehören würde, hab ich nie so ganz begriffen, und darum hab ich so ganz analog meine Hawaii-Gitarre genommen und sie einfach nur so gehalten, bin so um den Verstärker rumgegangen, weshalb es so Schwingungen gibt und so Zeug. Aber das ist meine Hawaii-Gitarre. [...] Ja genau, die "Jungsfrage". Alles andere waren dann wohl "Mädchenfragen"...

F/S: Ja, danke...

M: Ja, selber danke...


(8) Der Name eines musikalischen Soloprojekts Thomas Meineckes, unter dem er u.a. auf der im Jahr 2000 auf dem Label "Mille Plateaux" erschienenen, äußerst einflussreichen Compilation "clicks_+_cuts" einen Track veröffentlichte. "Clicks`n`Cuts" bezeichnet seither ein Genre elektronischer Musikproduktion, bei dem es - verkürzt dargestellt - zentral um die Generierung einer hyper-artifiziellen, zumeist sehr abstrakten, wenn auch häufig durchaus "tanzbaren" Soundästhetik geht, und zwar unter weitestgehendem Verzicht auf "externe", analoge Soundquellen oder Samples. Die Musik wird hier also praktisch ausschließlich mit Hilfe der titelgebenden, digitalen Clicks- und Cuts-Techniken in und aus den binären Codes des Computers (seiner Software, seiner Soundprogramme, seiner "Störgeräusche" usw.) heraus entwickelt.
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(9) Zwischenzeitlich als Maxi-LP, beziehungsweise zusammen mit der gesamten "Plays-Serie" als CD beim Kölner Label "Staubgold" erschienen.
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